Refill‑Programme für Molkereialternativen haben großes Potenzial: sie reduzieren Verpackungsmüll, sprechen Nachhaltigkeits‑affine Kund:innen an und können langfristig Kosten sparen. Gleichzeitig sind sie operativ und wirtschaftlich anspruchsvoll. In diesem Beitrag beschreibe ich, wie ich ein Pilotprogramm konzipiere und messe, damit innerhalb eines Jahres belastbar nachgewiesen werden kann, ob positive unit economics erreichbar sind.
Ausgangslage und Zielsetzung
Bei meinen Projekten beginne ich mit klaren, quantifizierbaren Zielen. Für einen Refill‑Pilot bei Molkereialternativen lauten die Kernfragen:
Konkrete Zielgrößen, die ich setze:
Pilot‑Design: Standort, Angebot und Preisstrategie
Die Wahl der Pilotstandorte ist entscheidend. Ich empfehle einen Mix aus drei Typen:
Produktangebot: Beschränke dich auf 2–3 Bestseller‑SKUs (z. B. Haferdrink neutral, Schoko‑Hafer, Sojadrink). Warum? So lässt sich das Sortiment operational einfach halten und Daten zu Volumen, Retouren und Preisakzeptanz sauber vergleichen.
Preisstrategie: Teste drei Preispunkte:
Die Preistests führe ich per A/B‑Test am Standort oder zeitlich versetzt durch, um Elasticity zu messen.
Logistik, Technik und Hygiene
Operational ist das Pilotprogramm oft der Knackpunkt. Folgende Elemente müssen von Anfang an geregelt sein:
Messgrößen und Datenerhebung
Für die Aussage "positive unit economics" benötige ich zwei Ebenen von Daten: Transaktions‑/Skudaten und Vollkostenrechnung.
Unbedingt zu erfassen:
Ich setze ein einfaches Tracking‑Sheet auf, das täglich aktualisierte Zahlen enthält. Ergänzend nutze ich POS‑Daten und einfache QR‑basierte Umfragen, um Motivation und Zufriedenheit der Nutzer:innen zu erfassen.
Unit Economics: Vorlage und Beispielrechnung
Eine knappe Tabelle hilft, Break‑Even‑Punkte zu visualisieren. Hier ein vereinfachtes Beispiel für eine 1‑Liter‑Haferdrink‑Befüllung:
| Kosten / Erlöse | Wert (EUR) |
|---|---|
| Verkaufspreis Refill (durchschnittlich) | 2,20 |
| Produktkosten pro Liter | 0,80 |
| Personalkosten pro Befüllung (inkl. Reinigung) | 0,40 |
| Abschreibung und Wartung Station / Behälter | 0,10 |
| Sonstige Kosten (Marketing, Retouren) | 0,15 |
| Deckungsbeitrag pro Einheit | 0,75 |
In diesem Szenario ist ein positiver Deckungsbeitrag möglich. Entscheidend ist, dass die Personalkosten und Retourenraten nicht ausufern. Bei manueller Abfüllung sind klare Prozessstandards und Time‑Motion‑Analysen Pflicht.
Kund:innenforschung und Kommunikationsstrategie
Ich miss die Akzeptanz mit kurzen Fragebögen, Incentives und direktem Gespräch am POS. Typische Fragen:
Kommunikation: Klarheit schafft Vertrauen. Sichtbare Hinweise zur Reinigung, Haltbarkeit nach Abfüllung und Qualitätsprüfung sind entscheidend. Kooperationen mit bekannten Marken (z. B. regionale Bio‑Molkereien, Oatly für Platzierung) erhöhen Glaubwürdigkeit.
Skalierungs‑ und Entscheidungsmetriken nach 6–12 Monaten
Für eine Entscheidung zur Skalierung bewerte ich:
Wenn diese Kriterien erfüllt sind, prüfe ich Investitionen in Automatisierung (Abfüllautomaten) und Erweiterung auf weitere SKUs/Standorte. Wenn nicht, identifiziere ich die Engpässe (z. B. Personalintensität, Preiswahrnehmung) und fahre gezielte Nachjustierungen.
Pragmatische Empfehlungen aus meinen Pilotprojekten
Die Kombination aus klaren KPIs, realistischen Pilotbedingungen und iterativer Optimierung macht den Unterschied. Refill ist kein Selbstläufer, aber mit dem richtigen Design lässt sich innerhalb eines Jahres belastbar nachweisen, ob das Konzept wirtschaftlich tragfähig ist.