Als Gründerin von Innovation Produce habe ich in den letzten Jahren viele Gespräche mit Herstellern, Händlern und Start-ups geführt, die alle vor derselben Frage stehen: Wie setze ich den Preis für einen innovativen Snack so, dass die Marge maximiert wird, ohne die Akzeptanz beim Verbraucher zu gefährden? Die Antwort ist selten einfach — sie ist ein Mix aus Marktverständnis, Kostenrechnung, Psychologie und strategischer Verhandlung mit dem Handel. In diesem Beitrag teile ich meine Praxis-Tools, Beispiele und KPIs, die ich in Projekten immer wieder anwende.
Verstehen, was "Marge maximieren" wirklich bedeutet
Bevor wir in Taktiken einsteigen: Marge ist nicht nur der Aufschlag auf die Herstellungskosten. Ich unterscheide konsequent zwischen Bruttomarge (Handelspreis minus Warenkosten), Deckungsbeitrag (nach variablen Kosten) und Netto-Marge (nach allen Gemeinkosten, Marketing, Rabattaktionen). Mein Fokus liegt oft auf dem Deckungsbeitrag, weil dieser zeigt, ob das Produkt kurzfristig profitabel skaliert werden kann.
KPIs, die ich regelmäßig monitor:
Value-Based Pricing statt reines Cost-Plus
Viele Hersteller starten mit einer einfachen Kostenrechnung: Herstellungskosten + gewünschter Aufschlag = Preis. Das funktioniert selten optimal für innovative Snacks. Besser ist Value-Based Pricing: Welchen Mehrwert erlebt der Kunde? Ist der Snack bio-zertifiziert, proteinreich, glutenfrei, nachhaltig verpackt oder Teil einer Trendkategorie (z. B. funktionale Snacks, pflanzenbasiert, Low-Cal)? Diese Merkmale erzeugen Bereitschaft, einen Preisaufschlag zu zahlen.
Ich empfehle folgende Schritte:
Preispositionierung und Sortimentstrategie
Positioniere dein Produkt gezielt im Sortiment des Händlers. Ein innovativer Snack kann in verschiedenen Rollen funktionieren:
Bei Distributionsverhandlungen ist wichtig: Geh mit klarer Planung für Promotionen in die Gespräche. Handelsketten erwarten Actionable Promotions — wer hier flexibel ist, erreicht häufiger Listungen, zahlt aber oft mit höheren Promotionsanteilen.
Promotions intelligent steuern
Promotions sind Margenkiller, aber sie sind auch Hebel für Distribution und Trial. Meine Faustregel: Maximiere Netto-Deckungsbeitrag aus Promotions, nicht nur Bruttoumsatz.
Packaging, Portionsgröße und Preis pro 100 g
Die wahrgenommene Preiswürdigkeit hängt stark von Packungsgröße und Preisproportionen ab. Kleine Portionsgrößen rechtfertigen oft deutlich höhere Preise pro 100 g — praktisch für Premium-Snacks und On-the-go-Produkte. Gleichzeitig kann eine größere, familientaugliche Packung den Abruf in Haushalten erhöhen.
Handelsmargen und Verhandlungsstrategie
Die Handelsmargen variieren stark je nach Kanal (Discounter vs. Vollsortiment). In Verhandlungen ist Transparenz über deine Kostenstruktur hilfreich — nicht um Zahler zu erpressen, sondern um realistische Marge-Modelle zu zeigen.
Preisexperimente und Monitoring
Preise sind Hypothesen. Ich empfehle ein systematisches Testing — kleine, kontrollierte Experimente mit klaren Hypothesen und Messgrößen.
Beispiel-Tableau: Drei Preis-Szenarien und ihre Wirkung
| Scenario | Preis (UVP) | Herstellungskosten | Brutto-Marge | Erwarteter Absatz | Strategische Ziel |
|---|---|---|---|---|---|
| Premium | €3,99 | €1,20 | €2,79 (70%) | niedrig | Hoher Deckungsbeitrag pro Einheit, Markenprestige |
| Mainstream | €2,49 | €1,20 | €1,29 (52%) | mittel | Breitere Distribution, Balance zwischen Volumen und Marge |
| Penetration | €1,79 | €1,20 | €0,59 (33%) | hoch | Marktanteil und Listung bei Discountern |
Spezialthema: Nachhaltigkeit als Preishebel
Nachhaltigkeit kann Preispremium rechtfertigen — aber nur wenn es glaubwürdig ist. Ich sehe Erfolg, wenn Hersteller transparent KPI-basierte Aussagen treffen (z. B. CO2-Reduktion pro Packung, Rezyklatanteil) und diese aktiv kommunizieren. Greenwashing rächt sich schnell in Social Media und beim Handel.
Operationales: MAP, Preisbindung und E-Commerce
Im Omni-Channel-Umfeld ist die Kontrolle über Preise essentiell. Minimum Advertised Price (MAP) Policies helfen, den Markenwert zu schützen, aber sie müssen rechtlich sauber und in der Handelspraxis durchsetzbar sein.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen ein Workshop-Paket zur Preisfindung anbieten: inkl. Value-Mapping, Testdesign für A/B-Experimente, Handelsverhandlungs-Template und KPI-Dashboard. In Projekten hat diese strukturierte Vorgehensweise oft den Unterschied gemacht zwischen einem Hobbyprodukt und einer skalierbaren Marke.