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Welche Preisstrategie maximiert Marge bei innovativen Snacks im Lebensmitteleinzelhandel

Welche Preisstrategie maximiert Marge bei innovativen Snacks im Lebensmitteleinzelhandel

Als Gründerin von Innovation Produce habe ich in den letzten Jahren viele Gespräche mit Herstellern, Händlern und Start-ups geführt, die alle vor derselben Frage stehen: Wie setze ich den Preis für einen innovativen Snack so, dass die Marge maximiert wird, ohne die Akzeptanz beim Verbraucher zu gefährden? Die Antwort ist selten einfach — sie ist ein Mix aus Marktverständnis, Kostenrechnung, Psychologie und strategischer Verhandlung mit dem Handel. In diesem Beitrag teile ich meine Praxis-Tools, Beispiele und KPIs, die ich in Projekten immer wieder anwende.

Verstehen, was "Marge maximieren" wirklich bedeutet

Bevor wir in Taktiken einsteigen: Marge ist nicht nur der Aufschlag auf die Herstellungskosten. Ich unterscheide konsequent zwischen Bruttomarge (Handelspreis minus Warenkosten), Deckungsbeitrag (nach variablen Kosten) und Netto-Marge (nach allen Gemeinkosten, Marketing, Rabattaktionen). Mein Fokus liegt oft auf dem Deckungsbeitrag, weil dieser zeigt, ob das Produkt kurzfristig profitabel skaliert werden kann.

KPIs, die ich regelmäßig monitor:

  • RRP (Recommended Retail Price) und durchschnittlicher Verkaufspreis
  • Promotionsanteil (wie viel Prozent der Abverkäufe zu Aktionspreisen laufen)
  • Deckungsbeitrag pro Einheit
  • Preiselastizität der Nachfrage (wie reagiert Absatz auf Preisänderungen)
  • ACV / Distribution Weighted Price (Einfluss der Listung auf verschiedenen Ketten)
  • Value-Based Pricing statt reines Cost-Plus

    Viele Hersteller starten mit einer einfachen Kostenrechnung: Herstellungskosten + gewünschter Aufschlag = Preis. Das funktioniert selten optimal für innovative Snacks. Besser ist Value-Based Pricing: Welchen Mehrwert erlebt der Kunde? Ist der Snack bio-zertifiziert, proteinreich, glutenfrei, nachhaltig verpackt oder Teil einer Trendkategorie (z. B. funktionale Snacks, pflanzenbasiert, Low-Cal)? Diese Merkmale erzeugen Bereitschaft, einen Preisaufschlag zu zahlen.

    Ich empfehle folgende Schritte:

  • Customer Value Mapping: Was ist der wichtigste Kaufanreiz? Geschmack, Gesundheit, Convenience, Nachhaltigkeit?
  • Wettbewerbsvergleich: Welche Alternativen gibt es in drei Preisbändern (Value, Mainstream, Premium)?
  • Willingness-to-Pay-Tests: Online-Umfragen, Conjoint-Analysen oder Mini-A/B-Tests im E-Shop.
  • Preispositionierung und Sortimentstrategie

    Positioniere dein Produkt gezielt im Sortiment des Händlers. Ein innovativer Snack kann in verschiedenen Rollen funktionieren:

  • Premium-Positionierung (höherer Preis, weniger Promotions): Zielgruppe ist qualitäts- oder trendbewusst; hoher Unit-Marge, niedrigere Absatzvolumina akzeptabel.
  • Skimming (Einführungs-High-Price, später Preissenkung): Kurzfristig hohe Margen, schafft Wahrnehmung von Exklusivität; riskant, wenn Nachahmer schnell folgen.
  • Penetration (niedrigerer Preis, hohe Distribution): Ziel ist Marktanteil und Listung bei großen Retailern; Marge pro Einheit geringer, aber Skalenvorteile möglich.
  • Bei Distributionsverhandlungen ist wichtig: Geh mit klarer Planung für Promotionen in die Gespräche. Handelsketten erwarten Actionable Promotions — wer hier flexibel ist, erreicht häufiger Listungen, zahlt aber oft mit höheren Promotionsanteilen.

    Promotions intelligent steuern

    Promotions sind Margenkiller, aber sie sind auch Hebel für Distribution und Trial. Meine Faustregel: Maximiere Netto-Deckungsbeitrag aus Promotions, nicht nur Bruttoumsatz.

  • Setze gezielte Coupons, Gratisproben und Einführungspreise ein — aber plane Rückgewinnungsmaßnahmen (Cross-Selling, Abos), um Wiederkauf zu fördern.
  • Analysiere Promo-ROI: Wie viele einmalige Käufer werden zu Stammkunden? Wie hoch ist der CAC (Customer Acquisition Cost) über die Promotion?
  • Nutze temporäre Bundles statt dauerhafter Rabatte — Bindet Aufmerksamkeit ohne dauerhaften Preisverfall.
  • Packaging, Portionsgröße und Preis pro 100 g

    Die wahrgenommene Preiswürdigkeit hängt stark von Packungsgröße und Preisproportionen ab. Kleine Portionsgrößen rechtfertigen oft deutlich höhere Preise pro 100 g — praktisch für Premium-Snacks und On-the-go-Produkte. Gleichzeitig kann eine größere, familientaugliche Packung den Abruf in Haushalten erhöhen.

  • Experimentiere mit zwei oder drei SKU-Größen: Probiergröße (Trial), Einzelportion (Convenience) und Familienpackung (Wert).
  • Kommuniziere klar den Preis pro 100 g im Regalaufsteller — Händler erwarten das, Verbraucher vergleichen so einfacher.
  • Handelsmargen und Verhandlungsstrategie

    Die Handelsmargen variieren stark je nach Kanal (Discounter vs. Vollsortiment). In Verhandlungen ist Transparenz über deine Kostenstruktur hilfreich — nicht um Zahler zu erpressen, sondern um realistische Marge-Modelle zu zeigen.

  • Biete Händlern Anreize, die Margin für dein Produkt nicht nur an Promotions zu messen: Exklusive Displays, POS-Material, Probieraktionen oder gemeinsame Marketingbudgets.
  • Setze auf Performance-Verträge: Staffeln für Abverkauf, bessere Konditionen bei höherer Abnahme oder wenn Ziel-ACV erreicht wird.
  • Preisexperimente und Monitoring

    Preise sind Hypothesen. Ich empfehle ein systematisches Testing — kleine, kontrollierte Experimente mit klaren Hypothesen und Messgrößen.

  • A/B-Tests im eigenen E-Shop oder bei digitalen Händlern (z. B. Rewe Online, Amazon) — schnelle Erkenntnisse über Preiselastizität.
  • Rollouts in ausgewählten Regionen vor nationaler Einführung.
  • Datenbasis: Absatz, Wiederkaufrate, Average Basket, Return Rate, Promotionanteil.
  • Beispiel-Tableau: Drei Preis-Szenarien und ihre Wirkung

    Scenario Preis (UVP) Herstellungskosten Brutto-Marge Erwarteter Absatz Strategische Ziel
    Premium €3,99 €1,20 €2,79 (70%) niedrig Hoher Deckungsbeitrag pro Einheit, Markenprestige
    Mainstream €2,49 €1,20 €1,29 (52%) mittel Breitere Distribution, Balance zwischen Volumen und Marge
    Penetration €1,79 €1,20 €0,59 (33%) hoch Marktanteil und Listung bei Discountern

    Spezialthema: Nachhaltigkeit als Preishebel

    Nachhaltigkeit kann Preispremium rechtfertigen — aber nur wenn es glaubwürdig ist. Ich sehe Erfolg, wenn Hersteller transparent KPI-basierte Aussagen treffen (z. B. CO2-Reduktion pro Packung, Rezyklatanteil) und diese aktiv kommunizieren. Greenwashing rächt sich schnell in Social Media und beim Handel.

  • Zeige Zahlen, nicht nur Claims: Lebenszyklus-Analysen, Zertifikate, Lieferkettenbelege.
  • Plane Mehrkosten: Nachhaltige Verpackung und Inhaltsstoffe erhöhen häufig die COGS — deshalb muss das Pricing diese Kosten decken und einen Aufschlag für Markenaufbau ermöglichen.
  • Operationales: MAP, Preisbindung und E-Commerce

    Im Omni-Channel-Umfeld ist die Kontrolle über Preise essentiell. Minimum Advertised Price (MAP) Policies helfen, den Markenwert zu schützen, aber sie müssen rechtlich sauber und in der Handelspraxis durchsetzbar sein.

  • Setze klare MAP-Regeln für Online-Partner und kontrolliere regelmäßig Marktplätze (Amazon, eBay).
  • Nutze exklusive Online-Promotions oder abonnementbasierte Modelle (z. B. Probierboxen, Abo-Rabatte), um Direktvertrieb und Marge zu stärken.
  • Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen ein Workshop-Paket zur Preisfindung anbieten: inkl. Value-Mapping, Testdesign für A/B-Experimente, Handelsverhandlungs-Template und KPI-Dashboard. In Projekten hat diese strukturierte Vorgehensweise oft den Unterschied gemacht zwischen einem Hobbyprodukt und einer skalierbaren Marke.

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