Immer wieder werde ich gefragt: Warum können Discounter wie Aldi pflanzliche Aufschnittlinien nicht nur testen, sondern auch großflächig skalieren? Aus meiner Sicht ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Zusammenspiels aus strategischer Positionierung, operativer Stärke und pragmatischer Produktentwicklung. In diesem Beitrag erläutere ich die Faktoren, die aus meiner Praxis und Beobachtung heraus entscheiden, ob eine pflanzliche Aufschnittlinie beim Discount erfolgreich wird — und welche konkreten Hebel Händler nutzen können, um Wachstum zu beschleunigen.
Markt und Nachfrage: Warum jetzt skalieren?
Die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen wächst kontinuierlich — nicht nur bei Veganern, sondern vor allem beim flexitarischen Hauptkunden. Konsument:innen suchen Produkte, die vertraut schmecken, praktisch in der Anwendung sind und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Discounter sitzen hier an einem entscheidenden Punkt: Sie erreichen breite Konsumentenschichten, haben kurze Regallebenzyklen und können Neuerungen schnell ins Sortiment aufnehmen. Diese Kombination reduziert das Risiko beim Roll-out und erhöht die Chance auf schnelle Skaleneffekte.
Preis und Volumen: Kernkompetenzen der Discounter
Was Discounter wie Aldi auszeichnet, sind effiziente Beschaffungsprozesse und ein hohes Beschaffungsvolumen. Diese Eigenschaften sind gerade bei pflanzlichen Aufschnittlinien entscheidend, weil:
Private Label als Erfolgshebel
Private-Label-Strategien spielen eine zentrale Rolle. Unter Eigenmarken können Discounter Rezepturen, Verpackung und Preis gezielt steuern. Ein paar Vorteile:
Rezeptur, Geschmack und Sensorik: Die Produktarbeit entscheidet
Rein auf Preis zu setzen reicht nicht. Für pflanzlichen Aufschnitt gilt: Geschmack, Textur und Anwendung müssen stimmen. Discounter kooperieren häufig mit spezialisierten Herstellern oder halten eigene R&D-Teams bereit, um Sensorik-Optimierungen vorzunehmen. Wichtige Aspekte sind:
Verpackung, Preiswahrnehmung und Regalplatz
Die Verpackung spielt eine doppelte Rolle: Schutzfunktion und Kaufauslöser. Discounter greifen hier pragmatisch an:
Logistik & Supply Chain: Skalierung operationalisieren
Discounter verfügen über starke Logistikinfrastruktur und zentrale Distributionszentren. Für pflanzlichen Aufschnitt bedeutet das:
Marketing: Low-Budget, hohe Wirkung
Ein häufig unterschätzter Vorteil der Discounter: Sie müssen keine großangelegten Marken-Storys erzählen, um Nachfrage zu generieren. Stattdessen setzen sie auf:
Kooperationen und Innovation
Viele Discounter arbeiten mit Start-ups oder etablierten Zulieferern zusammen, um Innovationen schnell in die Regale zu bringen. Das kann so aussehen:
Messbare KPIs, die ich empfehlen würde
Wer skaliert, muss messen. Aus meiner Praxis haben sich folgende KPIs bewährt:
| Hebel | Messgröße | Warum relevant |
| Preis | Umsatz pro Packung / Preiselastizität | Gibt Aufschluss, wie sensibel die Zielgruppe auf Preisänderungen reagiert |
| Trial | Anteil Erstkäufer / Wiederkaufrate | Misst Akzeptanz und Produktqualität aus Kundensicht |
| Logistik | Ausschussrate & Lieferpünktlichkeit | Operationalisierung der Skalierung |
| Profitabilität | Deckungsbeitrag pro SKU | Zeigt ökonomische Tragfähigkeit |
Pragmatische Implementierungs-Schritte
Wenn ich einen Discounter begleite, empfehle ich typischerweise folgende Reihenfolge:
Praxisbeispiel: Was ich bei früheren Projekten beobachtet habe
Ohne vertrauliche Details zu nennen: Ein Discounter in Europa hat eine pflanzliche Aufschnittlinie unter seiner Eigenmarke innerhalb eines Jahres von einem lokalen Test auf nationaler Ebene skaliert. Entscheidende Maßnahmen waren:
Das Ergebnis: Hohe Wiederkaufrate und ein stabiler Deckungsbeitrag trotz anfänglich höherer Produktionskosten.
Risiken, die nicht unterschätzt werden dürfen
Skalierung ist kein Automatismus. Risiken, die ich häufig sehe:
Discounter wie Aldi haben aus meiner Sicht ideale Voraussetzungen, um pflanzliche Aufschnittlinien erfolgreich zu skalieren: Einkaufsmacht, logistische Infrastruktur, Marktreichweite und die Fähigkeit, rasch auf Kund:innen-Feedback zu reagieren. Entscheidend bleibt jedoch die Disziplin in der Produktentwicklung — nur wer Geschmack, Preis und Verfügbarkeit gleichzeitig gut orchestriert, wird nachhaltig Erfolg haben.