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Wie führt man einen erfolgreichen Pilotverkauf für ein neues Proteinriegel-Format im Handel durch

Wie führt man einen erfolgreichen Pilotverkauf für ein neues Proteinriegel-Format im Handel durch

Ein Pilotverkauf im Handel ist für mich nicht bloss ein Testlauf — er ist das Herzstück, um ein neues Proteinriegel-Format marktfähig zu machen. In meiner Arbeit begleite ich regelmäßig Hersteller und Start-ups durch genau diesen Prozess. Aus diesen Erfahrungen möchte ich hier eine praxisorientierte Anleitung geben, die Ihnen hilft, typische Fehler zu vermeiden und aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen.

Warum ein Pilotverkauf?

Ein Pilotverkauf reduziert das Risiko, bevor Sie in nationale Listungen oder größere Produktionsläufe investieren. Er erlaubt Ihnen, Kaufsignale, Preissensitivität, Verpackungswirkung und Logistikprozesse im realen Handel zu überprüfen. Wichtig ist: Ein Pilot ist kein Marketing-Event, sondern ein systematischer Markttest mit definierten Hypothesen und messbaren KPIs.

Hypothesen definieren — was wollen Sie wirklich wissen?

Bevor Sie Regale bestücken, formuliere ich klare Hypothesen. Beispiele:

  • Der neue Riegel erzielt mindestens X Umsatz/Store/Woche.
  • Das angezielte Premium-Preissegment akzeptiert einen Verkaufspreis von Y €.
  • Verbraucher bevorzugen die neue Geschmacksrichtung gegenüber bestehenden Sortimenten.
  • Shelf-Position und Promotions beeinflussen die Conversion signifikant.
  • Diese Hypothesen bestimmen die Datenerhebung, die Dauer des Piloten und die Entscheidungskriterien für das Hochskalieren.

    Store-Auswahl: repräsentativ und skalierbar

    Die Auswahl der Testfilialen ist ein kritischer Schritt. Ich wähle keine „Wunschläden“, sondern solche, die repräsentativ für die Zielgruppe sind und logistisch erreichbar. Kriterien, die ich benutze:

  • Store-Format (Convenience vs. Supermarkt vs. Drogerie).
  • Demografie der Kundschaft (Alter, Einkommen, Gesundheitsaffinität).
  • Bestehendes Sortiment an Protein- und Ernährungs-Snacks (Konkurrenzdichte).
  • Verfügbarkeit von Promotionflächen und Kooperationsbereitschaft des Retailers.
  • Oft starte ich mit 8–12 Filialen in zwei bis drei unterschiedlichen Regionen, um regionale Verzerrungen früh zu erkennen.

    Merchandising und Sichtbarkeit

    Selbst der beste Produktkern taucht optisch schnell ab, wenn Placement falsch ist. Ich achte auf:

  • Shelf-Position: Augenhöhe ist nicht immer nötig — bei Impulskäufen an Kassenplätzen testen.
  • Secondary Placement: Endcaps oder Gondelköpfe für Promotions.
  • Zusätzliche POS-Materialien: Proben, Tester, Shelf Talker mit klaren Nutzenbotschaften (z. B. „20 g Protein“, „low sugar“).
  • Ein Pilot sollte mehrere Merchandising-Varianten abdecken, damit Sie Auswirkung der Platzierung messen können.

    Preisstrategie und Promotion

    Beim Preis empfehle ich A/B-Tests: eine Filialgruppe mit Normalpreis und eine mit eingeführtem Promo-Preis oder Bundle-Angeboten (z. B. 2 für 3,50 €). Ziel ist es, die Preiselastizität zu messen.

  • Startpreis definieren anhand Wettbewerb (Quest, Barebells, RXBAR) und Zielmarge.
  • Test einer Einführungsaktion: Coupon, Verkostung oder Cashback.
  • Beobachten, ob Käufe nach der Promotion bestehen bleiben (Retention).
  • Sampling & Verkostung: der schnellste Weg zu Insights

    Insbesondere bei neuen Geschmacksrichtungen oder Texturen ist Sampling oft entscheidend. Ich setze Verkostungen strategisch ein:

  • Timing: Stoßzeiten, z. B. nach Feierabend oder am Wochenende.
  • Fragen an Tester: Geschmack, Textur, Preisbewertung, Kaufabsicht.
  • Qualitative Insights sammeln — kurze Interviews statt nur Checkboxen.
  • Sampling ist zwar kostenintensiv, liefert aber oft den höchsten Einfluss auf Conversion.

    Daten erfassen: welche KPIs sind essenziell?

    Ohne Daten ist ein Pilot nur Bauchgefühl. Ich messe standardmäßig:

    KPI Was es misst Entscheidungsschwelle (Beispiel)
    Umsatz/Store/Woche Direkter Verkaufserfolg > 150 € => positiv
    Sell-Through (%) Anteil verkaufter Einheiten vs. Bestandsmenge > 40%/Woche => gut
    Conversion nach Sampling % der Probierenden, die kaufen > 10–15% => effektiv
    Wiederkaufrate Käufe in Woche 2–4 nach Erstkauf > 20% => gute Retention
    Preisakzeptanz Durchschnittliche Zahlungsbereitschaft >= Zielpreis

    Ergänzend tracke ich qualitative Feedbacks: Kaufbarrieren, wahrgenommene Vorteile und Verpackungskommentare.

    Digitale Unterstützung: von QR-Codes bis zu Umfragen

    Ich kombiniere POS-Daten mit digitalen Touchpoints:

  • QR-Codes auf der Verpackung für kurze Umfragen oder Rezeptideen — incentiviert mit Rabatt auf den nächsten Kauf.
  • Social Listening: Erwähnungen in lokalen Social-Media-Gruppen oder Influencer-Posts beobachten.
  • Erfassung von E-Mail-Adressen durch Verkostungen für Follow-up-Umfragen und Probieraktionen.
  • Diese Kanäle liefern schnelle qualitative Angaben zur Markenwahrnehmung und helfen bei der Segmentierung der Käufer.

    Reporting-Rhythmus und interne Kommunikation

    Ich setze feste Reporting-Intervalle: tägliche Abverkäufe in den ersten 7 Tagen, wöchentlich danach, ausführliche Review nach 4–6 Wochen. Wichtig ist die Einbindung aller Stakeholder:

  • Category Manager im Handel — liefert Kontext zu anderen Sortimentspunkten.
  • Vertriebsaußendienst — beobachtet Regalpflege, Remerchandising-Bedarf.
  • Produktion/Logistik — prüft Nachschubfähigkeit bei positiver Dynamik.
  • Transparente Dashboards und klare Entscheidungsszenarien (Go/No-Go/Scale) helfen, zügig zu handeln.

    Typische Fallstricke und wie ich sie vermeide

    Aus zahlreichen Projekten kenne ich wiederkehrende Fehler:

  • Zu kurzer Pilotzeitraum: Neue Formate brauchen Zeit, um Awareness aufzubauen — mindestens 4 Wochen, ideal 8.
  • Unklare KPIs: Messdaten ohne Ziele sind wertlos — definieren Sie Benchmarks vorher.
  • Zu enge Store-Auswahl: Vermeiden Sie Bias, indem Sie verschiedene Regionstypen einbeziehen.
  • Ignorieren qualitativer Insights: Zahlen zeigen Was; Kundenfeedback zeigt Warum.
  • Entscheidung treffen: Skalieren, anpassen oder stoppen?

    Nach Abschluss des Piloten nutze ich das zuvor definierte Entscheidungs-Framework. Beispiele:

  • Skalieren: KPIs erreicht + logistische Machbarkeit + positive qualitative Resonanz.
  • Anpassen: KPIs knapp verfehlt, aber klares Verbesserungspotenzial (z. B. Preis, Packungsgröße, Geschmack).
  • Stoppen: Systematische Ablehnung durch Zielgruppe oder ökonomisch nicht tragbar.
  • Bei Anpassungen plane ich einen zweiten iterierten Pilot mit Hypothesen bzgl. der Anpassungen — z. B. kleinere Riegelgröße, veränderte Rezeptur oder überarbeitete Verpackungsaufmachung.

    Praxisbeispiel

    In einem meiner letzten Projekte testeten wir ein cremiges Proteinriegel-Format in Kooperation mit einer regionalen Supermarktgruppe. Wir starteten in 10 Filialen, kombinierten Sampling an zwei Tagen pro Filiale, führten einen Promo-Preis in fünf Läden ein und trackten Sell-Through sowie Wiederkaufraten. Ergebnis nach 6 Wochen:

  • Sell-Through durchschnittlich 48%/Woche.
  • Conversion nach Sampling 18%.
  • Wiederkaufrate 23%.
  • Die Daten deuteten auf Skalierbarkeit hin. Gleichzeitig zeigten Kundenkommentare, dass die Verpackung nicht klar genug kommunizierte, dass der Riegel glutenfrei ist — eine kleine Anpassung, die wir vor der Ausweitung auf 120 Filialen umgesetzt haben.

    Wenn Sie mögen, kann ich Ihnen ein Testdesign-Sheet schicken, das meine Standard-Templates für Filialauswahl, KPI-Dashboard und Sampling-Skript enthält — das spart Wochen an Vorbereitung und hilft, ohne Umwege belastbare Ergebnisse zu erzielen.

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