Als Produktentwicklerin und Beraterin treffe ich immer wieder auf dieselben Fragen: Darf ich „klimaneutral“ auf mein Produkt schreiben? Welche Nachweise brauche ich, um Greenwashing-Vorwürfen aus dem Weg zu gehen? Und wie formuliere ich eine glaubwürdige, rechtssichere Claim-Kommunikation nach den neuen EU-Vorgaben? In diesem Beitrag beschreibe ich praktische Schritte, die ich in Projekten anwende, damit Marketing und Compliance Hand in Hand gehen — inklusive konkreter Formulierungsbeispiele und Prüfkriterien.
Warum die Formulierung und Begründung so wichtig ist
„Klimaneutral“ klingt einfach und verkaufsfördernd, aber es ist auch ein juristisch und wissenschaftlich sensibler Begriff. Die EU-Gesetzgebung (Green Claims-Ansatz) zielt darauf ab, irreführende Umweltbehauptungen zu unterbinden. Für Unternehmen bedeutet das: Keine pauschalen Versprechen mehr ohne transparente Methodik und nachvollziehbare Daten. Aus meiner Erfahrung schadet eine schlecht belegte Claim-Strategie langfristig mehr als kurzfristig nützt — Markenvertrauen ist schwer zurückzugewinnen.
Grundprinzipien, die ich vor jeder Claim-Kommunikation einhalte
Welche Belege und Standards empfehle ich?
Ich verlasse mich in Projekten auf anerkannte LCA-Standards und PEF-Ansätze:
Diese Standards helfen, die Vergleichbarkeit und Robustheit Ihrer Aussagen sicherzustellen. In meinen Projekten dokumentiere ich LCA-Modelle, Annahmen (Datenquellen, Regionalisierung, Datenalter) und Unsicherheiten in einem technischen Annex, den ich bei Bedarf externen Prüfern vorlege.
Konkrete Schritte zur Absicherung eines „klimaneutral“-Claims
Ich arbeite meist mit folgender pragmatischer Checkliste:
Typische sprachliche Fallen — und wie ich sie vermeide
Folgende Formulierungen sind problematisch und werden schnell als irreführend eingestuft:
Ich empfehle stattdessen präzisierende Claims wie:
Solche Formulierungen vermeiden allgemeine Floskeln und laden zur Verifikation ein — das stärkt Glaubwürdigkeit.
Wie gehe ich mit Kompensation um?
Kompensation ist nicht per se falsch, wird aber häufig missverstanden. In meiner Arbeit befolge ich zwei Grundsätze:
Praktisch dokumentiere ich, welche Emissionsmengen nicht vermeidbar waren, welche Kompensationsprojekte gewählt wurden (inkl. Projekt-ID), und binde diese Angaben an die Produktkommunikation.
Beispiele aus der Praxis
Ich habe z. B. für einen mittelständischen Snack-Hersteller den Claim wie folgt aufgebaut:
Das Ergebnis: geringerer Prüfaufwand bei Handelsketten, mehr Vertrauen bei Endkunden und weniger Nachfragen der Compliance-Abteilung — weil alles transparent dokumentiert war.
Kommunikative Gestaltung: Was ich den Marketingteams rate
Was die neuen EU-Regelungen konkret verlangen — in meiner Interpretation
Die EU legt zunehmend Wert auf Nachprüfbarkeit, Lebenszyklus-Betrachtung und standardisierte Methoden (PEF/ISO). Aus meiner Sicht heißen die Kernerwartungen:
Unternehmen, die diese Punkte ernst nehmen, reduzieren das Risiko von Beanstandungen und schaffen klare Entscheidungsgrundlagen für Händler und Konsumenten.
Checkliste für die Umsetzung (schnell abrufbar)
| Schritt | Was ich prüfe |
| Definition | Funktionale Einheit, Lebenszyklusrahmen |
| Analyse | LCA nach ISO/PEF, Datentransparenz |
| Reduktion | Dokumentierte Maßnahmen & quantifizierte Effekte |
| Kompensation | Zertifizierte Projekte, Zusatzität, Dauerhaftigkeit |
| Verifikation | Interne Prüfung + externe Verifikation (sofern möglich) |
| Kommunikation | Präzise Claim-Formulierung + zugängliche Substantiation |
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen für Ihr Produkt eine initiale Prüfmatrix erstellen: funktionale Einheit, empfohlene PEFCR (falls existent), grobe Emissionshotspots und Vorschläge zur Claim-Formulierung. Solche kurzen Assessments sind oft der schnellste Weg, um Marketing und Nachhaltigkeitsziele in Einklang zu bringen.