Wenn ich ein neues pflanzenbasiertes Fertiggericht innerhalb von 90 Tagen darauf prüfen muss, ob es bei Aldi in größerem Maßstab skaliert werden kann, folge ich einem strikten, pragmatischen Ablauf: schnelle Hypothesenbildung, gezielte Feldtests, enge Abstimmung mit Handelspartnern und messbare KPIs. Die Herausforderung ist, in kurzer Zeit belastbare Erkenntnisse zu gewinnen, die sowohl Produktakzeptanz als auch Supply-Chain‑/Handelsbedingungen abdecken.
Meine Ausgangshypothesen
Zu Beginn formuliere ich drei bis fünf klare Hypothesen, die das Projekt innerhalb von 90 Tagen beantworten muss. Beispiele:
Schnelle Produkttests vor Live‑Rollout
Bevor ich in den Handel gehe, investiere ich Zeit in zwei parallele Tests: sensorische Validierung und Shelf‑Life/Logistik-Simulation.
Diese beiden Tests liefern frühe "go/no-go"-Signale und helfen, Rezepturen oder Packungsdesigns rasch zu justieren.
Pilot im Handel: Fokus auf Aldi
Ein Pilot direkt bei Aldi oder in vergleichbaren Discountern ist zentral. Ich verhandle mit dem Category-Manager ein kurzes, eng getaktetes Testlisting — typischerweise 6–12 Filialen oder einen regionalen Rollout über 4 Wochen.
Daten, die ich in 90 Tagen benötige
Um eine Skalierungsentscheidung zu begründen, sammle ich quantitative und qualitative Daten. Wichtige KPIs:
| KPI | Ziel-/Bewertungskriterium |
| Erstkaufrate nach Sampling | > 20% der Probierer (je nach Kategorie kann 15–25% ausreichend sein) |
| Wiederkaufsabsicht (Survey) | ≥ 40% “wahrscheinlich wieder kaufen” |
| Abverkaufsrate pro Filiale | Vergleich zu Bestseller in Kategorie: ≥ 60% des Vergleichswerts |
| Retouren / Qualitätsbeanstandungen | < 2% der verkauften Einheiten |
| Preis-Marge (bei Zielpreis) | Bruttomarge ≥ 30% (Handelsspezifisch verhandelbar) |
Lieferkette & Produktion: Schnell prüfen, robust planen
Skalierung scheitert selten an der Nachfrage — meist an der Supply Chain. In den 90 Tagen teste ich:
Handels- und Category-Management‑Aspekte
Bei Aldi ist die Zusammenarbeit mit dem Category-Management besonders pragmatisch: schnelle Entscheidungen sind möglich, aber Flächen sind limitiert. Ich kläre früh:
Kommunikation und Shopper‑Insights
Während des Tests sammle ich qualitative Shopper-Insights über kurze Interviews am POS und Follow-up‑Umfragen per SMS oder E‑Mail. Wichtige Erkenntnisse:
Entscheidungsmatrix nach 90 Tagen
Am Ende der 90 Tage setze ich eine Entscheidungsmatrix auf, die KPI‑Erfüllung, Produktions- und Logistik-Risiken sowie Handelssignale kombiniert. Eine einfache Gewichtung könnte so aussehen:
Nur wenn die Gesamtbewertung über einem vordefinierten Schwellenwert liegt, empfehle ich einen gestaffelten Rollout. Oft ist eine Zwischenstufe sinnvoll: initiale Ausweitung auf eine Region, begleitet von angepasster Promotion und laufender Monitoring‑Schleife.
Praktischer Tipp: Halte Reporting einfach und frequent — wöchentliche Dashboards mit den Kern-KPIs reichen. Transparenz gegenüber dem Händler erzeugt Vertrauen und erleichtert schnelle Anpassungen (z. B. Preis-/Promotion-Justierungen oder Verpackungsänderungen).
Ein reales Beispiel: Bei einem pflanzenbasierten Fertiggericht, das ich begleitet habe, zeigte sich in einer 8‑Filialen‑Pilotphase, dass die Probier-Konversionsrate 18% betrug, aber die Wiederkaufsabsicht nur 28%. Durch Rezepturfeinheit (mehr Umami) und eine reduzierte Einführungs-Verpackung (klarerer Zubereitungshinweis) stieg die Wiederkaufsabsicht auf 45% innerhalb von zwei Wochen — ein Beleg dafür, wie schnell iterative Maßnahmen im Pilot zu skalierbaren Ergebnissen führen können.