Als Gründerin und Redakteurin von Innovation Produce habe ich in den letzten Jahren häufig mit mittelständischen Herstellern gearbeitet, die genau vor dieser Aufgabe stehen: Sie wollen ihre Lieferkette für Bio‑Zutaten klimafreundlich umstellen – und gleichzeitig sicherstellen, dass die Produktverfügbarkeit stabil bleibt, idealerweise nicht unter 9 (auf einer Skala, die wir intern nutzen, um Lieferzuverlässigkeit zu bewerten). Aus meiner Praxis kenne ich die Spannungsfelder: begrenzte Mengen nachhaltiger Rohstoffe, schwankende Ernten, längere Transportwege bei regionalem Sourcing und oft eng kalkulierte Margen. In diesem Beitrag beschreibe ich eine pragmatische Vorgehensweise, die ich in Projekten mehrfach getestet habe.
Zunächst: Verstehen, was mit "Verfügbarkeit ≥ 9" gemeint ist
Für viele meiner Kund:innen bedeutet eine Verfügbarkeit von 9 auf 10, dass Out-of-Stock‑Risiken minimal sind: Lieferzeiten werden eingehalten, Sicherheitsbestände reichen für Produktionsspitzen, und der Handel erlebt keine relevanten Lücken. Bevor man also umstellt, sollten wir diese Zielgröße operationalisieren:
Schritt 1 – Transparenz schaffen: Mapping der bestehenden Lieferkette
Ich beginne immer mit einem Lieferketten-Map: Wer sind die Tier‑1‑ und Tier‑2‑Lieferanten? Woher stammen die Rohstoffe, und welche Mengen fließen in welche Produktlinien? Oft findet man Überraschungen: ein vermeintlich lokaler Lieferant, der eigentlich einen Großteil importiert, oder mehrere Produkte, die dieselbe kritische Zutat aus einer Region beziehen.
Schritt 2 – Priorisieren: Welche Zutaten zuerst umstellen?
Nicht alle Zutaten müssen gleichzeitig umgestellt werden. Ich priorisiere nach drei Kriterien:
In einem Projekt mit einem mittelständischen Bäckereihersteller haben wir z. B. mit Nüssen begonnen: hoher CO2‑Footprint durch Import und zugleich überschaubare Volumen, sodass Testmengen das Verfügbarkeitsrisiko gering hielten.
Schritt 3 – Sourcing‑Strategien, die Verfügbarkeit sichern
Eine klimafreundliche Umstellung verlangt eine Mischung aus Flexibilität und langfristiger Partnerschaft:
Schritt 4 – Operative Maßnahmen: Inventar, Produktion, Forecasting
Um die Verfügbarkeit nicht unter 9 zu drücken, haben sich bei meinen Kunden folgende Maßnahmen bewährt:
Schritt 5 – Nachhaltigkeit messen und steuern
Für eine glaubwürdige Klimafreundlichkeit genügt keine Absichtserklärung. Wir brauchen messbare KPIs und transparente Berichterstattung. In der Praxis nutze ich eine Kombination aus operativen und Umweltindikatoren:
| KPI | Zielvorgabe | Messintervall |
|---|---|---|
| Servicegrad (Verfügbarkeit) | >= 95 % (entspricht Verfügbarkeit ≥ 9) | Monatlich |
| CO2‑Äquivalent pro Produkt | -20 % in 3 Jahren (gegen Basisjahr) | Jährlich |
| Anteilsvolumen Bio‑Zutaten | Stufenweise Erhöhung (z. B. 30 → 50 %) | Quartalsweise |
| Lieferanten mit Nachhaltigkeitsverträgen | 80 % binnen 2 Jahren | Jährlich |
Schritt 6 – Risiko‑ und Krisenmanagement
Eine klimafreundliche Umstellung erhöht kurzfristig die Komplexität. Deshalb setze ich auf:
Praxisbeispiel: Wie wir bei einem Kunden die Haselnuss‑Umstellung gemacht haben
Ich habe einen Fall begleitet, bei dem ein mittelständischer Snack‑Hersteller Haselnüsse schrittweise von konventionell auf Bio umstellte. Die Schritte:
Ergebnis nach 18 Monaten: Anteil Bio‑Haselnüsse stieg auf 45 %, CO2‑Footprint sank, und der Servicegrad blieb bei 96 % – also über unserer Zielmarke von 9.
Kommunikation: Handel und Konsument:innen mitnehmen
Eine Umstellung ist nicht nur logistisches Projekt, sondern auch Kommunikationsaufgabe. Ich empfehle:
Tools und Partner, die ich oft empfehle
In Projekten nutze ich pragmatische Tools: einfache Excel‑Modelle für Sourcing‑Simulationsrechnungen, ERP‑Schnittstellen für bessere Forecast‑Integration, sowie Nachhaltigkeitsplattformen wie EcoVadis oder regionalspezifische Zertifizierer. Wichtig ist: die Tools sollen Entscheidungen erleichtern, nicht neue Silos schaffen.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen ein kompaktes Audit‑Template und eine Checkliste zur Priorisierung Ihrer Zutaten zur Verfügung stellen. Bei Interesse begleite ich gern einen Pilot, um Risiken klein zu halten und gleichzeitig messbare Klima‑Effekte zu erzielen.